Geschichte der Kreuzkirche
Unsere Kreuzkirche wurde in den Jahren 1908 bis 1910 am Eichtal, auf dem Gebiet des ehemaligen Dorfes Hinschenfelde, auf einer zuvor dem Bauer Martens gehörenden Wiese erbaut.
Der Hamburger Architekt F. Lorenzen, der auch schon die 1901 erbaute, 1943 zerstörte Wandsbeker Kirche am Markt geplant hatte, schuf die Pläne für den Bau der Kreuzkirche in dem um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert bevorzugten neugotischen Stil.
Den Auftrag für die Ausführung der Rohbauten erhielt der Wandsbeker Zimmermeister F. Helbing.
Am 6.Dezember 1908 konnte man die Grundsteinlegung feiern, am 23.Oktober 1909 beging man die Richtfeier, und am 25.September 1910 wurde die Kreuzkirche feierlich geweiht.
Zur Ausschmückung der Kirche gab es eine Fülle von Geschenken und Stiftungen. Kanzel und Altar, aus Eichenholz und mit Schnitzwerken versehen, stiftete die Wandsbeker Spar- und Leihkasse von 1820.
Vorn an der Kanzel das Christussymbol aus den griechischen Buchstaben X = Chi und P = Rho, dazu der erste und der letzte Buchstabe des griechischen Alphabets, Alpha und Omega, ein Hinweis auf das Wort in Off.1/8: "Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende, spricht Gott, der Herr." An der rechten Seite eine Tafel mit zehn römischen Zahlzeichen, Erinnerung an die Zehn Gebote. Und an der linken Seite dann noch zwei Verse: "Dies Leben kann nicht ohne äußerlichen Gottesdienst sein" und "Das alte Testament soll man nicht verachten, sondern fleißig lesen".
Am Altar, am Tisch des Herrn, sind Brot und Wein dargestellt, dazu Joh.10/28: "Ich gebe ihnen das ewige Leben". Aus der Mitte der Altarwand erhebt sich das Kreuz, unter dem Petrus und Paulus stehen. Petrus mit dem Schlüssel in der Hand, Erinnerung an das Wort Jesu in Matth.16/19, mit dem Petrus die Schlüssel des Himmelreiches gegeben werden. Und Paulus mit dem Schwert in der Hand, vielleicht eine Erinnerung an sein Wort in Eph.6/17, in dem er das Wort Gottes als Schwert des Geistes bezeichnet.
Für den Altar schenkte die Landesherrin, die Kaiserin Auguste Victoria, eine ledergebundene, silberbeschlagene Bibel mit einer Widmung "Der Kreuzkirche in Wandsbek zur Erinnerung am 25.September 1910. Hebr.13/14: 'Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.' Auguste Victoria, I.M.".png)
Das silberne Altargerät kam von der Stadt Wandsbek, die auch die Gestaltung der Außenanlagen um die neue Kirche herum übernahm. Den Taufblock mit der marmornen Platte und der kupfernen Taufschale stiftete die Wandsbeker Gärtnerei Neubert. Und deshalb schmückt diesen Taufblock auch das Bild eines in einem Blumenbeet stehenden Jungen, der in seinen Händen blühende Maiglöckchen hält, Blumen, für deren Züchtung diese Gärtnerei damals sehr bekannt war.
Das teuerste Geschenk, die Orgel mit 29 Registern, kam von dem damals größten Wandsbeker Betrieb, von der Kakao- und Schokoladenfabrik Reichardt. Das Gebläse wurde von einem Elektromotor angetrieben, denn gerade seit einem Jahr gab es in Wandsbek ein städtisches Elektrizitätswerk.
Auch wenn die Orgel im Laufe der Zeit einige Umbauten erfuhr - im Kern ist es immer noch die alte Orgel von 1910..png)
An der Ausstattung der Kirche mit Buntglasfenstern beteiligten sich zahlreiche Stifter, u.a. die Witwe Helbing, E.O. Luetkens, Johs.Willöper, Kommerzienrat Mejer, der Kommunal-Verein Ost-Wandsbek.
Im Altarraum gab es fünf Kleeblattfenster mit fünfzehn Einzeldarstellungen: In der Mitte Christus mit der Dornenkrone, dazu die vier Evangelistensymbole, einige alttestamentliche Propheten, einige Engelfiguren. Auf der Nordseite des Kirchenraumes war die Kreuzigung dargestellt, auf der Südseite die Auferstehung, dazu u.a. Ansgar, Vicelin, Luther, Melanchthon, Bugenhagen, Claudius, Harms. Alle diese Buntglasfenster wurden bei Bombenangriffen im Jahre 1943 beschädigt, bzw. total zerstört.
Neue Buntglasfenster gab es im Jahre 1954 für die Querschiffe, im Norden wieder die Kreuzigung, im Süden wieder die Auferstehung, dazu jeweils zwei Evangelistensymbole - Matthäus, der Engel - Markus, der Löwe -Lukas, der Stier - Johannes, der Adler..png)
Die Öffnungen der Kleeblattfenster im Altarraum wurden bei der Renovierung der Kirche im Jahre 1954 zugemauert, bei einer weiteren Renovierung im Jahre 1975 dann aber wieder geöffnet und durch den Künstler Hans Kock neu gestaltet. Je nach Sonnenstand und Sonnenschein ergibt sich dadurch im Altarraum ein Farbenspiel, das uns das aus dem Himmel zu uns herabstrahlende Licht deutlich werden lässt. Die Gestaltung dieser Fenster ist in der Gemeinde bis heute nicht unumstritten.
Einige bei der Öffnung geborgene Reste der ursprünglichen Fenster wurden im Keller der Kirche eingelagert, vergessen, im Jahre 1994 wieder entdeckt und nach einer durch Spenden aus der Gemeinde ermöglichten Restaurierung unter den Seitenemporen als Vorsatzfenster angebracht. Diese Fenster bleiben Bruchstücke, die uns aber gerade durch ihre Unvollkommenheit an die schlimme Zeit des Krieges erinnern sollen.
Aber nicht nur mit den Fenstern geschah im Laufe der Zeit etwas. Bei der ersten umfangreichen Renovierung der Kirche im Jahre 1954 wurden die vorherrschenden graublauen, dunkel wirkenden Wände nun farblich hell und strahlend gestaltet.
Die bisher frei im Altarraum stehende Kanzel kam an die Wand.
Petrus und Paulus verschwanden vom Altar, sie wurden im Turm abgestellt.
Doch nach einer weiteren Renovierung im Jahre 1975 kehrten Petrus und Paulus dann aus dem Turm auf den Altar zurück.
Zur Kirche, zu den Gottesdiensten, ruft uns das Geläut der Glocken im Turm, drei Glocken, mit einem Psalmwort als Schriftband versehen. Auf der kleinsten, auf der am hellsten klingenden Glocke ist zu lesen: "Jauchzet dem Herrn alle Welt!" Die mittelgroße Glocke sagt: "Dienet dem Herrn mit Freuden!" Und auf der größten, auf der am tiefsten tönenden Glocke steht: "Kommt vor sein Angesicht mit Frohlocken!"
Die Glocken wurden aus Stahl gegossen, und so blieben sie uns auch erhalten, als das Regime der Nationalsozialisten alle bronzenen Kirchenglocken von den Türmen holen ließ, daraus Waffen zu schaffen. Zwei der drei Glocken dienen zugleich auch als Viertelschlag- und Stundenschlagglocke der von der Wandsbeker Familie Luetkens geschenkten Turmuhr. Eigentlich ist diese Turmuhr schon ein Museumsstück, denn es gibt im Hamburger Raum nur noch einige wenige Kirchturmuhren, die einmal wöchentlich von Hand aufgezogen werden müssen; mit Kurbel- und Muskelkraft gilt es, die schweren Gewichte im Turm hochzuziehen.
Das Besondere, das Einmalige dieser Kirchturmuhr aber ist, dass sie nur auf drei Turmseiten ein vergoldetes Zifferblatt hat. Und dazu gibt es eine mündlich überlieferte Geschichte:.png)
Das Gelände, auf dem die Kirche erbaut wurde, war zuvor eine Wiese des Hinschenfelder Bauern Martens, und auch die Felder östlich davon gehörten ihm. Bauer Martens soll damals beim Verkauf des Geländes das auf der Ostseite fehlende Zifferblatt zur Bedingung gemacht haben, damit seine Leute bei der Arbeit auf seinen Feldern nicht dauernd auf die Uhr sehen können.
Wahr oder unwahr? Wenn die Geschichte wahr ist, dann kann man heute nur noch darüber schmunzeln. Und wenn die Geschichte nicht wahr ist, dann ist sie zumindest hübsch ausgedacht!
Ganz oben auf der hohen Turmspitze dreht in 58 Meter Höhe ein vergoldeter Hahn seine Runden. Er zeigt uns an, woher der Wind weht. Aber er soll uns auch ein Zeichen der Wachsamkeit in unserem Glauben sein, indem er an das dreimalige Krähen des Hahnes nach der Verleugnung Jesu durch Petrus erinnert.
Klaus Schuldt