Vorstellung der Projektgruppe Flüchtlingshilfe:
Mit diesem Text begann die Flüchtlingsarbeit 2008
in der Ev.-Luth. Kreuz - Kirchengemeinde Wandsbek
Liebe Gemeinde,
Mein Name ist Rita Landgraf, ich möchte mich heute als Leiterin der Projektgruppe Flüchtlingshilfe vorstellen.
Ich bin seid über 3 Jahren aktiv in der Gemeinde tätig.
Im letzten Jahr war ich auf der Suche nach einer Aufgabe die mich interessiert. Mehr durch einen Zufall ist etwas auf mich zugekommen, was mich nach kurzer Zeit so fasziniert hat, wie ich es nie für möglich gehalten hätte.
Pastor Dirk Ahrens und ich haben das Projekt Flüchtlingshilfe gegründet.
Nach kurzer Zeit habe ich viele begeisterte Menschen gefunden, denen es auch ein großes Anliegen war in diesem Bereich tätig zu werden.
Unsere erste Aufgabe bestand darin, Jan Westfal der jetzt in Südafrika ein Flüchtlingscafe in unserer Partnergemeinde in Durban eröffnen wird zu unterstützen.
Mittlerweile sind wir ein Team, die alle ein großes Interesse an der Flüchtlingsarbeit haben.
VULINGQONDO
"Erweitere deinen Horizont"
Zivildienst Jan Westfal von August 2008 - Juli 2009
Am 01.08.08 wurde Jan Westfahl als erster Stelleninhaber, zum Aufbau eines Flüchtlings- und Migrantenprojekts, in die Lutherkirche Durban in Südafrika entsandt.
Die Idee zum Aufbau eines solchen Projekts entstand während einer Jugendbegegnungsreise, die ein Jahr zuvor stattfand. Eine Jugendgruppe aus Durban hatte die Idee ein Flüchtlingscafe zu eröffnen. Aus der Idee wurden konkrete Gedanken und der Aufbau der Stelle in Südafrika. Jan Westfahl absolvierte mit dieser Stelle seinen Zivildienst in Form einer ADIA - Stelle.
Im folgendem stellt Jan seine Erfahrungen und die Entwicklungen des Projekts vor:
Voller Aufregung, Zweifel und Erwartungen stieg ich in Hamburg in das Flugzeug, um für ein Jahr in Durban ein Flüchtlings- und Migrantenprojekt aufzubauen. Durch die Jugendbegegnungsreise im Vorjahr hatte ich Vorstellungen, wo ich wohnen und leben würde, doch war die Aufregung groß, so lange und so weit weg von meinem Zuhause zu sein.
Schnell lebte ich mich ein und begann mit dem Pastor Georg Meyer meine Arbeit. Nach einer anfänglichen Findungsphase mit Mitarbeitern und mit dem Vorstand der Lutherkirche wurde deutlich, dass sich das ursprüngliche Konzept des Projekts nicht umsetzen lassen würde.
Stattdessen entschieden wir nur ein Teil des Konzepts um zu setzten. Dabei ging es um den Aufbau von Sprachkursen für Flüchtlinge. Der Aufbau eines solchen Projekts stellte sich als kompliziert heraus. Zur Unterstützung dieses Konzepts gestaltete ich mit dem Pastor Gottesdienste zum Thema, besuchte verschiedene Workshops bei anderen Flüchtlingsorganisationen und beschäftigte mich mit der aktuellen Flüchtlingssituation in Südafrika. Um Menschen für das Projekt zu gewinnen und Gemeindemitglieder mit Flüchtlingen in Kontakt zu bringen, gründete ich nach wenigen Wochen einen kleinen Gospelchor und einen sonntäglichen Jugendtreff am Strand, wo sich Flüchtlinge und Gemeindemitglieder begegnen konnten.
Die Suche nach geeigneten ehrenamtlichen Sprachlehrern gestaltete sich anfangs als schwierig. Jedoch konnte ich bereits im November 2008 ein kleines Team zusammenstellen und so mit dem Sprachunterricht in Englisch, Zulu, Französisch und Deutsch beginnen.
Teilnehmer und Lehrer konnte ich in den Warteschlangen vor dem Durbaner Ausländeramt gewinnen. Zusätzlich habe ich mit der Flüchtlingshilfegruppe der Lutherkirche mehrere 100 Flugzettel verteilt und viele Plakate im Stadtgebiet aufgehängt.
Nach 30 Stunden Unterricht endete der erste dreimonatige Kurs und in einem feierlichen Gottesdienst wurden die Examenzeugnisse überreicht. Schon im nächsten Monat begannen die neuen Kurse mit doppelter Teilnehmerzahl. Zudem konnte ich zwei besonders erfolgreiche Teilnehmer der ersten Kurse motivieren sich nachhaltig in der Flüchtlingshilfe zu engagieren.
Bereits die Teilnehmer des zweiten Kurses könnten sich erfolgreich auf dem Arbeitsmarkt bewähren. Damit war für uns ein wesentliches Ziel des Sprachschulprojekts bereits im sechsten Monat erreicht. Für mich bestand nun die Aufgabe, die Qualität der Kurse zu sichern, weitere geeignete Lehrer zu finden und ein Fundraisingprojekt zu entwickeln, dass es ermöglichen würde, den Lehrkräften künftig zumindest eine Aufwandsentschädigung zu zahlen.
Mit Hilfe der Flüchtlingsgruppe und den Lehrern schaffte ich es das Projekt auf
eigene Füße zu stellen, sodass während der Übergangszeit, bis zum Dienstantritt meines Nachfolgers weitergearbeitet werden konnte.
Die dargestellten Entwicklungen waren geprägt durch massive Probleme, Diskussionen und auch Frustrationen, doch hat sich die Arbeit gelohnt und ich bin sehr glücklich über die Entwicklungen meines Projektes. Für mich war das Jahr eine tolle Erfahrung mit vielen Grenzbegegnungen, Herausforderungen und das kennenlernen einer neuen Kultur.
Ich hoffe ,dass mein Nachfolger weitere Schritte in dem Projekt machen wird und wünsche ihm dabei viel Erfolg.
Jan Westfahl
Praktikumszeit Sven Erik Sautter von August 2009 - Juli 2010
Jan Westfahl ist von August 2008 bis August 2009 in Durban in Südafrika gewesen und hat dort mit dem Refugee and Migrant Ministry des Durban Parish bestehend aus St.Pauls Church und der Lutherkirche, das Flüchtlingshilfeprojekt aufgebaut. Ich wurde sehr herzlich in der Gemeinde empfangen und in meiner ersten Woche in Durban in das Projekt eingeführt. Außer dieser kleineren Aufgaben gab es natürlich auch noch interessantere Aufgaben, wie den Kontakt zu dem Flüchtlingskindergarten in der Innenstadt von Durban halten. Zu diesem Zwecke bin ich einmal in der Woche in den Kindergarten gefahren und habe den Kindern von Flüchtlingen zumeist aus dem Kongo, Geschichten aus der Bibel erzählt und mit ihnen gesungen und gemalt.
Meine Aufgabe bestand darin, das Projekt weiter zu führen und auszubauen.
Dabei wurde mir auch mein Aufgabenbereich erläutert, zu meinen Aufgaben gehörte die Leitung und Organisation des wohl essentiellsten Teils des Projektes, der Sprachkurse, der Bericht über den Verlauf des Projekts für die beteiligten Gemeinden, Arbeiten in der Gemeinde, der Kontakt zu einem Flüchtlingskindergarten, und einer der interessantesten Punkte, den Kontakt zwischen Gemeinde in Durban und dem Projekt in Durban herstellen.
Eine der Aufgaben, die ich zu erledigen hatte, waren Büroarbeiten. Ich habe zum Beispiel in Tabellen eingetragen, wie viele Gemeindeglieder den Gottesdienst besucht haben oder habe Listen erstellt mit den Namen und Anschriften der Gemeindeglieder. Außerdem musste ich manchmal Liederzettel für die Festagsgottesdienste erstellen, Spender anrufen oder Information das Projekt bezüglich telefonisch einholen.
Ich durfte auch drei Monate lang Küsterdienst verrichten und die Kirche für den Gottesdienst herrichten, die Kollekte zählen und jeden Kirchengänger begrüßen.
Diese Arbeit ist mir besonders ans Herz gewachsen, und ich hatte immer sehr viel Freude gerade mit diesen kleinen Menschen zu arbeiten, die sehr vorurteilslos gewesen sind.Ganz im Gegensatz zu ihren großen Mitmenschen in Südafrika. Die Gemeinden St.Pauls und Lutherkirche die einen Verband bilden mit einem Pastor werden Durban Parish genannt, St.Pauls ist englischsprachig und Lutherkirche ist deutschsprachig. Das Zentrum der Flüchtlingsarbeit befindet sich in der Lutherkirche, obwohl es von den Jugendlichen der St. Paulskirche gegründet wurde. Die Gemeindeglieder der Lutherkirche stehen dem Projekt der Flüchtlingshilfe größtenteils skeptisch bis abgeneigt gegenüber, obwohl es auch einige starke Befürworter des Projektes in der Gemeinde gibt. Hier war es an mir, positive Werbung für das Projekt zu machen und den Leuten von dem Projekt zu berichten, denn viele wussten gar nicht genau was gemacht wurde, sie haben sich einfach nicht dafür interessiert, hier haben 70 Jahre Apartheid ihre Spuren hinterlassen.Ich habe mich also in verschiedenen Gruppen der Kirche engagiert um die gute Nachricht vom Flüchtlingshilfeprojekt zu verkünden, so zum Beispiel den verschiedenen Bibelkreisen und Gesprächsgruppen, ich habe einmal die Woche einen Gesprächskreis im Seniorenheim besucht, habe das Gespräch mit den Leuten nach dem Gottesdienst gesucht und habe für das Gemeindeblatt berichte und Meditationen verfasst.
Da es nur einmal im Monat einen Gottesdienst in der englischen Sprache gab in der Lutherkirche, die Flüchtlinge aber zumeist nicht bis zu dem Gottesdienst in St.Pauls fahren konnten, haben wir einen Gottesdienst auf Englisch eingeführt, der parallel zu dem deutschen Gottesdienst verläuft und von Flüchtlingen sowie von Gemeindegliedern besucht wird. Das Abendmahl wird gemeinsam eingenommen und nach dem Gottesdienst wird zusammen Kaffee getrunken und Kuchen gegessen. Hier haben die Gemeindeglieder die beste Möglichkeit sich über den Sprachunterricht zu informieren. Jan Westfahl hat den Sprachunterricht in Durban begonnen und hat sich sehr stark dafür eingesetzt, so habe ich zwei Lehrer angetroffen, die auf freiwilliger Basis, Flüchtlingen, mit wenig oder keinen Sprachkenntnissen in den Sprachen Englisch und Zulu, eben diese beibrachten.
Mir wurde die Möglichkeit gegeben, neben der Organisation und der Bewerbung des Projektes auch selber einen Sprachkurs in Deutsch anzubieten.So habe ich mit den beiden Lehrern Pelagia und Sean Handzettel erstellt und anfertigen lassen, die wir bei dem für die Flüchtlinge zuständigen Office of Home Affairs (etwa dem Meldeamt) und in der Gegend rund um die Lutherkirche verteilt haben.
Daraufhin meldeten sich viele Flüchtlinge, die Englisch oder Zulu lernen wollten, und so fanden an drei Tagen in der Woche drei Kurse statt, ein Anfängerkurs in Englisch und Zulu und ein Fortgeschrittenenkurs in Englisch.Sehr schnell taten sich uns eine Reihe von Problemen auf, so mangelte es extrem an Arbeitsmoral der Schüler die teilweise unregelmäßig kamen oder gar nicht gekommen waren. Sodass wir uns entschlossen haben eine Gebühr von 50 Rand im Monat zu nehmen, was etwa fünf Euro entspricht, der im Grunde nicht der Rede wert ist, aber für jemanden der sowieso wenig Geld hat, den Kurs den er braucht auf eine andere Art wertschätzen lässt.
Diese Maßnahme zeigte Wirkung und nun viele der hauptsächlich weiblichen Schüler, ihre Kinder mit zum Unterricht, was uns dazu veranlasste eine Betreuung für die Kleinen anzubieten.
Wir stellten sehr schnell fest, dass viele der Kleinen gar nicht so klein waren und eigentlich schon in die Schule hätten gehen sollen.Auf die Anfrage, warum dies nicht der Fall wäre, sagten die Eltern, dass ihre Kinder ja auch kein Englisch sprechen könnten und somit nicht zur Schule gelassen würden.
Also haben wir überlegt, dass es sinnvoll wäre, auch für die Kinder einen Sprachkurs anzubieten, und diese Idee hat sich verselbstständigt. Im Gemeindehaus haben wir 2 Räume zur Verfügung bekommen, die unter der hervorragenden Leitung von Sean, dem Lehrer für Englisch, für den Unterricht von Kindern hergerichtet wurden. Im Laufe meines Jahres zeigte sich schnell, dass vor allem Sean ein Geschick und eine Leidenschaft für das Projekt hat, die diesem überaus dienlich ist, und im Zuge dessen, mit einer großen Freiheit an dem Projekt gearbeitet und eine kleine Schule für Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren aufgebaut. Von diesen Kindern konnten schon zwei so gut Englisch sprechen, dass sie zur staatlichen Schule zugelassen wurden.Pelagia und Sean leisten schon jetzt eine große Arbeit, es soll jedoch noch mehr geschehen um noch mehr Menschen zu helfen, dafür werden Spenden gebraucht, um Unterrichtsmaterial zu kaufen und um Fortbildungen für die Lehrkräfte finanzieren zu können. Es ist viel geschehen, und es wird noch viel mehr geschehen, ich fühle, dass wir auf dem richtigen Weg sind.
Sven-Erik Sautter