Geistiges Wort
Liebe Leserin, lieber Leser,
Sind Sie schon eingezogen?
Diese freundlich interessierte Frage höre ich zur Zeit häufiger zu Beginn meines Pastorendienstes hier an der Kreuzkirche. Doch, wie antworte ich darauf
Ehrlich gesagt weiß ich es selbst gar nicht so genau. Einerseits ist es offensichtlich. Ja, hier in der Wohnung steht mein Bett und der Kühlschrank. Mein gesamter Hausstand ist sogar mitumgezogen. Das spricht dafür, dass ich eingezogen bin.
Andererseits ist noch das meiste in Kartons verpackt. Also wirklich eingezogen, so dass es wohnlich ausschaut, bin ich noch nicht. Jeden Tag öffne ich daher einen Karton und suche für den Inhalt einen Platz in der neuen Wohnung. Für die Bücher oder den Tee. Das dauert seine Zeit.
Dabei entstehen dann ganz neue Kombinationen. Die Telefonanlage mit dem Internetzugang etwa passte nicht mehr auf den Schuhschrank. Die Kabel fielen ständig herunter. Andererseits gibt es eine Kommode, die in der neuen Wohnung noch keinen Platz gefunden hat.
Nun habe ich die Kommode auf den Flur gestellt und die Anlage mit den Kabeln in einen Schuhkarton in der unteren Schublade gelegt. So ist alles unauffällig verstaut. Und o Wunder:
Nachts leuchtet die Anlage durch das Milchglas der Schublade grünlich heraus und weist mir den Weg auf dem Flur.
In diesen Tagen bereiten wir uns auf den Einzug Gottes in unsere Welt vor. Das braucht Zeit. Tür für Tür öffnen die Kinder ihren Adventskalender, Lied für Lied stimmen wir uns im Gottesdienst und in den Adventsfeiern auf das große Ereignis ein, Geschäft für Geschäft füllt sich mit emsigen Kunden.
Es steigt die Geschäftigkeit und damit auch die Erwartungen an das Weihnachtsfest. Dann soll alles schön sein. Mit einem Mal. Die Sehnsucht nach dem Heilen bricht sich ihre Bahn.
Der Psalm 24 nimmt dies von alters her auf mit dem Vers
„Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch,
dass der König der Ehre einziehe!“
Mögen viele dabei gar nicht Gott im Blick haben, so ist doch eine Sehnsucht nach dem Heilen zum Greifen nah.Und ich ahne: Manche Dinge werden eine ganz neue Bedeutung gewinnen. Ich weiß es noch vom letzten Jahr. Eine Krippe wird zu einer Schlafunterlage, ein Stern wird zu einem Wegweiser. Alltägliches gewinnt etwas Wunderbares.
So stelle ich mir den Einzug Gottes in unsere Welt vor. Ich glaube, Gott hat schon längst damit begonnen, aber es dauert.
Ich wünsche Ihnen und Euch eine ebenso warmherzige und gesegnete Ankunft im Advent und der folgenden Weihnachtszeit.
Ihr und Euer Karl Grieser

