Geistiges Wort
geistlich auferstehen
Kaum ist Weihnachten vorbei, ist schon wieder
Ostern — sagt man. ,,GefühIt" ist das wahr. Denn wir
Ieben oftmals von Event zu Event, Geburt und Tod
und so manchem dazwischen. Gleichzeitig merke
ich bei jeder Beerdigung, bei jeder Taufe, Trauung,
Konfirmation, wie relativ wenig Bedeutung diese
Großereignisse haben.
Viel wichtiger für unser Leben und Miteinander sind ,
die Zeiten dazwischen. Nicht die Ereignisse sind
wichtig, die in Geschichtsbüchern aufgelistet werden,
wann wir ,,unter" welchem Präsidenten gelebt haben, wie oft solche zurück-
getreten sind, ob wir einen Krieg erlebt haben und wann ein Parlament
welche Entscheidung getroffen hat. Viel wichtiger als das Taufereignis ist,
ob es uns als Eltern gelingt, die Kinder so ins Leben zu begleiten, dass sie
ihr Leben lang Vertrauen schenken mögen. Weniger wichtig ist, wie ein-
malig die Trauung war, sondern ob es den
Partnern gelingt, in Freiheit Verbunden zu bleiben.
Vor einer Trauerfeier neulich war z.B. die Frage, wie es die Mutter geschafft hatte,
den Kindern zu vermitteln, sie seien von der Mutter umsorgt,
obwohl beide Eltern schon vor dem Aufstehen
aus dem Haus mussten und erst spät abends von der Arbeit kamen? Sie hatte ihnen Überall kleine Zettel hingelegt.
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Hilf, dass ich diesen Morgen geistlich auferstehen mag und für meine Seele sorgen, dass, wenn nun dein großer Tag uns erscheint und dein Gericht, ich davor erschrecke nicht.
EG445,4.-Morgenlied von 1642 |
Warum ich dies schreibe? Für mein Zeit-,,GefühI" ist Weihnachten schon
wieder ,,ewig" her und bis Ostern Iiegt noch die ganze Passionszeit vor uns.
Und ich glaube, nur wenn man sich vor Ostern mit Erfahrungen von Leid
und Entbehrung auseinandersetzt, ist Ostern nachher mehr als Eiersuchen,
nämlich ein geistliches aufstehen gegen die Erfahrung, das alltägliche Leben
des Einzelnen sei wert- oder sinnlos und Gott gebe es gar nicht. Gottes-
dienste oder die Fastenaktion ,,7-Wochen-ohne“ sind Momente der Liebe
zum Normalen und des Aufbegehrens gegen Erfahrungen der Verlassen-
heit — quasi Zettel der Mutter, die Gott uns in unser Leben Iegt
Eine gesegnete Passions-und Osterzeit wünscht
Pastor Jörg S. Denecke

